Geschichte

img_6520In unserer Mosterei pressen wir das Obst unserer Kunden schon seit über 40 Jahren. Damals gehörte der Most im Keller zur schwäbischen Kultur fest dazu. Nicht nur die Bauern auf dem Feld hatten zur Brotzeit stets einen Most zur Hand sondern auch sonst wurde gerne vor dem Essen das „Krügle“ in den Keller getragen und aufgefüllt. In der heutigen Gesellschaft findet der Most nahezu keinen Platz mehr. Tagsüber ist bei den meisten Menschen der Alkohol aus dem Alltag verschwunden, schon alleine wegen der deutlichen Verlagerung von körperlicher zu geistiger Arbeit. Und nach Feierabend möchte man sich etwas Besonderes gönnen. Dann steht dem vermeintlich einfachen und rustikalen Most eine große Zahl an Alternativen gegenüber. Nicht zuletzt weil ein guter Most auch richtig angelegt sein möchte. So ging in den letzten Jahren auch viel Wissen über den richtigen Ansatz von Most verloren.

img_6518Als zweites Klientel bedienen wir Schnapsbrenner, insbesondere bäuerliche Kleinbrennereien. Früher war das Schnapsbrennen für Bauern eine interessante Tätigkeit. Das ansonsten beinahe wertlose Obst konnte mit überschaubarem Aufwand aufgewertet werden. Wie der Most wurde auch der Obst-Schnaps („Obstler“) gern getrunken und war für medizinische Zwecke in jedem Haushalt stets griffbereit. Die Vermarktung von selbst gebranntem Schnaps wurde mit der ständigen Verfügbarkeit von anderen Spirituosen und auch von Medizin zunehmend uninteressanter. Die Mechanisierung der Landwirtschaft führte daher vielerorts dazu, dass die Bauern die Bäume lieber entfernt haben um die Wiesen leichter bewirtschaften zu können. Seit dem Aufkommen der Bio-Vermarktung und dem damit verbundenen höheren Preis ist es für Bauern meistens interessanter, das Obst gleich als Bio-Obst an die Industrie zu verkaufen.

Diese beiden Entwicklungen führten bei uns wie bei den meisten Mostereien zu einem spürbaren Kundenrückgang seit Mitte der 1990er Jahre. Wir haben diesen Trend früh erkannt und diverse Methoden ausprobiert um unseren Kunden einen süß bleibenden Saft anzubieten. Es dauerte einige Zeit bis wir mit der Pasteurisierung zusammen mit der Bag-in-Box-Abfüllung ein System gefunden haben, das unsere Ansprüche erfüllen konnte. Unsere erste Bag-in-Box-Abfüllung nahmen wir 2004 vor.

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Seitdem konnten wir viele unserer ehemaligen Kunden wieder zurückgewinnen, da nun für den süß bleibenden Saft wieder Abnehmer in der Familie zu finden sind. Die Anforderungen an die Mosterei haben sich dabei auch deutlich verändert. Früher kamen überwiegend Bauern, die typischen Mengen pro Kunde waren 1.000 bis 10.000 Liter. Das Obst wurde dem entsprechend mit großen Anhängern angeliefert und für den Kunden war der betreffende Tag meistens zur Hälfte oder gleich ganz reserviert. Heute beträgt die typische Kundenmenge 200-300 Liter. Auch diese Entwicklung haben wir erkannt und uns schon frühzeitig über passende Änderungen an unserem Angebot Gedanken gemacht. Mit dem Umbau unserer Mosterei 2013 konnten wir unsere Maschinen und Abläufe darauf ausrichten.

Durch die Anschaffung eines Kisten-Drehgeräts können wir seither auch ohne zusätzlichen Aufwand Obst aus Gitterboxen verarbeiten. Eine vorher dafür berechnete Gebühr wurde damit hinfällig und das Anliefern ohne Terminbindung konnten wir unseren Kunden als gleichwertige Alternative anbieten.

Seit der Inbetriebnahme unserer Hackschnitzelheizung 2014 wird der Saft unserer Kunden mit Energie aus unserem heimischen Holz erhitzt. Zudem ermöglichte uns die damit deutlich leistungsfähigere Heizung in Verbindung mit einer neuen Abfüllstation eine Verbesserung der Geschwindigkeit, so dass sich für unsere Kunden die Wartezeit erheblich verkürzt hat.